Schülerwettbewerb „Shalom“ in NRW: Jugendliche zeigen jüdisches Leben

Schülerwettbewerb „Shalom“ in NRW: Jugendliche zeigen jüdisches Leben

NRW-Bildung | 16.07.2026. Ein Brettspiel über jüdische Feste, ein Computerspiel über Chanukka, ein Kunstwerk aus Leinwänden voller Symbole: In Nordrhein-Westfalen haben Schülerinnen und Schüler gerade im Schülerwettbewerb „Shalom“ gezeigt, wie kreativ Bildung über jüdisches Leben aussehen kann.

Für Schulen und Familien in NRW ist das mehr als eine nette Preisverleihung – es ist ein Signal, wie Demokratiebildung heute funktionieren soll. Wer wissen will, was hinter dem Wettbewerb „Shalom – Jüdisches Leben heute!“ steckt, findet hier die wichtigsten Antworten.

Schülerwettbewerb „Shalom“ in NRW im Überblick

Am Montagabend wurden im Plenarsaal des Landtags Nordrhein-Westfalen die Gewinnerinnen und Gewinner eines besonderen Schülerwettbewerbs geehrt. Mehr als 2.200 Jugendliche aus dem ganzen Land hatten sich mit rund 450 Beiträgen beteiligt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie jüdisches Leben heute aussieht – jenseits von Geschichtsbüchern und Gedenktagen. Genau das wirft eine größere Frage auf: Kann ein Schulwettbewerb tatsächlich etwas gegen Vorurteile und Antisemitismus bewirken?

Dieser Artikel schaut sich an, was hinter dem Projekt steckt, wer profitiert hat und wohin die Reise als Nächstes geht.

Ein Wettbewerb, der Schule und Gesellschaft verbindet

„Shalom – Jüdisches Leben heute!“ ist kein reines Wissensquiz. Der Wettbewerb fordert Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 dazu auf, sich eigenständig mit jüdischer Kultur auseinanderzusetzen. Sie durften Filme drehen, Podcasts produzieren, Spiele entwickeln oder Kunstwerke gestalten.

Wer steckt dahinter

Organisiert wird das Format vom Schulministerium gemeinsam mit der Bezirksregierung Münster. Unterstützung kommt von der Landesbeauftragten für die Bekämpfung des Antisemitismus sowie von einer Stiftung. Schirmherr ist Ministerpräsident Hendrik Wüst persönlich.

Warum jetzt

Der Wettbewerb lief 2025/2026 zum ersten Mal landesweit. Zuvor gab es ähnliche Formate nur regional. Die breite Beteiligung zeigt: Das Thema trifft einen Nerv an vielen Schulen im Land.

Schülerwettbewerb „Shalom“ – die Gewinnerprojekte

Sieben Preise wurden vergeben, verteilt auf Einzel- und Gruppenarbeiten sowie eine eigene Kategorie für Förderschulen. Die Bandbreite der eingereichten Ideen war beeindruckend groß.

Diese Beiträge wurden ausgezeichnet

  • Schalompoly (Hauptpreis)
  • Noahs Chanukka (Computerspiel)
  • Shalom – jüdische Feste in allen Farben (Kunstwerk)
  • Sukkot – ein jüdisches Fest (Filmbeitrag)
  • Schau mal – 7 jüdische Feste (Förderschul-Beitrag)

Der Hauptpreis ging an ein Gymnasium aus Gladbeck. Die Jugendlichen entwickelten ein eigenes Brettspiel, das Wissen über jüdische Traditionen spielerisch vermittelt.

In ihrer Projektbeschreibung schrieben sie, jüdisches Leben gehe in der Gesellschaft oft unter – genau das wollten sie ändern.

Was der Wettbewerb für die Schulpraxis bedeutet

Für Lehrkräfte ist das Format vor allem eines: ein niedrigschwelliger Einstieg in ein sensibles Thema. Statt trockener Unterrichtseinheiten entstehen eigene Produkte, die Schülerinnen und Schüler selbst gestalten.

Diese Effekte werden dem Projekt zugeschrieben

  • Interreligiöses Verständnis: Jugendliche setzen sich aktiv mit einer anderen Kultur auseinander, statt nur darüber zu lesen.
  • Abbau von Vorurteilen: Eigene Recherche ersetzt Klischees durch konkrete Begegnungen und Fakten.
  • Sichtbarkeit für Antisemitismusprävention: Das Thema bekommt einen festen Platz im Schulalltag statt nur an Gedenktagen.
  • Stärkung demokratischer Werte: Der Ort der Preisverleihung selbst wird zum Lernraum für gelebte Demokratie.

Auch der Zentralrat der Juden begrüßte die Initiative ausdrücklich. Ein Vertreter betonte im Landtag, das Projekt biete jungen Menschen einen neuen, eigenständigen Zugang zum Judentum.

Schülerwettbewerb „Shalom“ – wie es weitergeht

Der Wettbewerb ist mit der Preisverleihung nicht beendet, sondern startet direkt in die nächste Runde.

Für das Schuljahr 2026/2027 wurde bereits ein neues Motto vorgestellt.

Das neue Jahresthema

Unter dem Titel „Alles koscher! Oder was?“ sollen sich Schülerinnen und Schüler künftig mit jüdischen Alltagsregeln und verbreiteten Vorstellungen über das Judentum beschäftigen. Ziel bleibt, eigene Fragen zuzulassen und Perspektiven zu erweitern.

Ein Format mit Signalwirkung

Man kann einwenden, ein Schulwettbewerb löse keine gesellschaftlichen Probleme. Das stimmt – und ist auch nicht der Anspruch.

Entscheidend ist etwas anderes: Über 2.000 Jugendliche haben sich freiwillig mit einem Thema beschäftigt, das im Unterricht sonst schnell zur Pflichtübung wird. Das ist mehr wert als jede verordnete Projektwoche.

Wenn ein Brettspiel aus Gladbeck es schafft, jüdische Feiertage alltagstauglich zu erklären, hat Bildungspolitik genau das erreicht, wofür sie eigentlich da ist: Wissen, das hängen bleibt, weil es selbst erarbeitet wurde. Genau darin liegt der eigentliche Gewinn dieses Wettbewerbs.

Quellen: Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Juni 2026; Landtag Nordrhein-Westfalen, Juni 2026

Bildquelle: Natan Karnushin / Pexels (Symbolbild) 

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Nina Wolter